Fotografieren von Modellen

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KurtHofmeyer
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Fotografieren von Modellen

Beitrag von KurtHofmeyer » Mi 7. Mär 2012, 12:22

Fotografieren von Modellen

Die Digitalfotografie hat das Fotografieren wesentlich vereinfacht und bei Fernaufnahmen kann man i.d.R. getrost der Kameraautomatik vertrauen. Bei der Modellfotografie, d.h. also bei Nahaufnahmen gelten jedoch besondere Bedingungen, die man durch individuelle Einstellungen
berücksichtigen sollte.

Schärfe:

Der Bereich, in dem ein Objekt beim Fotografieren scharf abgebildet wird, hängt von der Aufnahmeentfernung und der eingestellten Blende ab. Je kleiner die Aufnahmeentfernung und/oder je größer (kleine Blendenzahl) die Blendenöffnung desto kleiner ist der Schärfentiefenbereich. Nahaufnahmen sollten daher mit der Programmwahl "Feste Blende" (Zeitautomatik) und so kleiner Blende wie möglich gemacht werden (etwa Blende 8,0). Zusätzlich muss die Makrofunktion (Blumensymbol) eingeschaltet werden. Soweit "Makro" nur über den Programmwähler einstellbar ist, ist dies nachteilig, weil die Blende dann per Programm und im Hinblick auf eine ausreichende Belichtungszeit meist automatisch zu groß gewählt wird.

Belichtung:

Ausgelöst hat diesen Beitrag ja die von mir angesprochene mangelnde Helligkeit einzelner Fotos im Forum. Man kann aber - abhängig von den Möglichkeiten der benutzten Digitalkamera - meist bereits bei der Aufnahme Vorsorge treffen, dass die Fotos hell genug werden. Dazu muss man wissen, dass Nahaufnahmen bei automatischer Belichtung i.d.R. zu dunkel werden, weil der Belichtungsmesser durch die Umgebungshelligkeit getäuscht wird. Man muss also die Belichtungskorrektur in Richtung längere Belichtung verschieben, außerdem sollte man "Spotmessung" verwenden. Am Monitor kann man jede Aufnahme kontrollieren und gegebenenfalls mit anderen Einstellungen wiederholen; darin liegt ebenfalls ein großer Vorteil der Digitalkameras. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, das Fotos auf dem Monitor i.d.R. heller angezeigt werden als später am PC oder auf einem ausgedruckten Bild.

Ich will noch anmerken, dass die Helligkeit von Bildern am PC - aber nicht auf Ausdrucken - auch von der Helligkeitseinstellung des Monitors abhängt.

Belichtungszeit und Empfindlichkeit:

Wer seine Modelle im Freien mit Zeitautomatik fotografiert, hat mit der Belichtungszeit i.d.R. keine Probleme. Auch wenn ein Warnhinweis erscheint, kann man bis zu 1/15 noch problemlos verwacklungsfreie Aufnahmen machen, besonders wenn die Möglichkeit besteht, die Ellbogen aufzustützen.

Eine Möglichkeit, die Belichtungszeit zu verkürzen, besteht zum einen in der Wahl einer größeren Blende, einhergehend mit einer Verringerung des Schärfebereichs, zum anderen in der Erhöhung der ISO-Emfindlichkeit, wobei die Bilder mit höherer Empfindlichkeit grobkörniger erscheinen. Wie weit man gehen kann, muss man ausprobieren.

Bei Kunstlicht kommt es auf die Helligkeit der Beleuchtung an, ob evtl. ein Stativ verwendet werden muss. Um Verwacklungen zu vermeiden, ist ein Fernauslöser von Vorteil, notfalls muss man den Selbstauslöser einsetzen.

Den Einsatz eines Blitzlichts sollte man auf Ausnahmen beschränken, z.B. bei Ausstellungen, weil Blitzlicht leicht die Konturen "erschlägt".

Weißabgleich:

Jedes Licht hat seine ihm eigene "Temperatur" und je nach Beleuchtung stellt die Kamera die Farbtöne automatisch ein (AWB). Für Nahaufnahmen sowohl im Freien als auch bei Kunstlicht kann jedoch eine manelle Einstellung von Vorteil sein, um Farbverfälschungen zu vermeiden. Die Kameras bieten dafür verschiedene Einstellungen an, evtl. auch einen manuellen Abgleich speziell an die aktuelle Lichtquelle.

Bildbearbeitung:

Es ist sinnvoll, digitale Nahaufnahmen vor der Präsentation im Internet zu bearbeiten, um den fotografierten Gegenstand ins beste Licht zu rücken. Dabei werden sie auf Bildschirmmaß verkleinert, der fotografierte Gegenstand zentriert, störende Bildelemente entfernt, Farbverfälschungen behoben, Helligkeit und Schärfe sowie evtl. die Speicherplatzgröße angepasst. Dazu bedarf es keiner teuren Spezielprogramme. Das Internet bietet kostenlose Möglichkeiten und auch der in Windows enthaltene Microsoft Photo Editor leistet hier gute Dienste.

Mein Fotoplatz:

Das folgende Bild zeigt meinen Fotoplatz, den ich bei Bedarf unter einer Deckenlampe mit zwei 150cm
Leuchtstoffröhren (das helle Band oben) aufstelle. In Ausnahmefällen verstärke ich die Beleuchtung durch 2 Fotolampen.

Bild

Als Unter- und Hintergrund dient ein weißer oder hellgrauer Fotokarton, manchmal für den Hintergrund auch ein Ausschnitt aus einem Modellbahnhintergrund.

Die Aufnahmen mache ich mit einer Canon S90 mit folgenden Einstellungen:

Blende 8,0 fest
Nahaufnahmemodus
Spotmessung
Kunstlicht (Glühbirne)
Belichtungsverlängerung zwischen +1 und +2
Zoom so, dass Modell ungefähr formatfüllend.

Das ergibt Belichtungszeiten zwischen 1/15 bis 1/40 sec. Die Aufnahmen mache ich aus der Hand, stütze dabei aber die Ellenbogen fest auf, sodass die Fotos auch bei 1/15 nicht verwackeln.

Ein lesenswerte Ergänzung findet sich auf

http://www.mo87.de/index.php?site=1&val=tut&cont=018

Gruß

Kurt

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