Wie mache ich mir mein Modell selbst? Der Resinguss

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Thomas Eberle
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Registriert: Fr 2. Mär 2012, 17:46

Wie mache ich mir mein Modell selbst? Der Resinguss

Beitrag von Thomas Eberle » Fr 2. Mär 2012, 20:37

Hallo Leute

Analog zum Betrag "Die Silikonform" habe ich diesen Beitrag eingestellt, der zeigt, wie man die Silikonform benützt und auf was geachtet werden muss beim Gießen. Hier wird nun aus der Unimog - Form ein Resin - Unimog.

Jetzt ist es also soweit. Die Form soll das erste Mal ein Teil ausspucken.

Resin: Ich nehme das Resin der Fa. Rai-Ro. Über andere Anbieter kann ich nichts sagen, da ich noch kein anderes verwendet habe. Rai-Ro bietet verschiedene Resine an. Am Anfang verwendete ich Resin mit einer Topfzeit (das ist die Zeit, in der das Resin verarbeitet werden muss) von 5 Minuten. Das gibts in der handlichen Verpackungsgröße 2 x 250g. Momentan nehme ich ein Resin mit 8 Minuten Topfzeit. Da muss man aber 2 x 1kg verbrauchen, was eine ganz schöne Menge darstellt. Andere Firmen bieten sogar 12 Minuten offenes Resin an. Das kenne ich nicht, hat aber auf Grund seiner langen Verarbeitungszeit sicherlich Vorteile. Wichtig ist immer, dass es beim Aushärten nicht schrumpft. 5 Minuten sind beim Gießen immer eine gefühlte halbe Minute und somit verdammt kurz. 8 Minuten sind aber auch nicht viel länger, da das Resin schon vorher anfängt, dick zu werden.

Wenn man eine neue Form hat, muss man sie erst mal kennenlernen. Da sind dann schon mal ein paar Fehlgüsse drin, bis man weiß, wo die Luft stehenbleibt und was dagegen zu tun ist. Aber irgend wann ist es so weit: Das erste Teil ist brauchbar. Manchmal hat man Glück und das Teil ist schon nach dem ersten oder zweiten Guß gut.

Ich messe nach wie vor mit meinen Medikamentenbechern ab, die ich mit dem Resin kaufe. Das ist eigentlich falsch, der Didi Berlage schrieb mir mal, nach dem ich sinniert habe, warum mir immer ein Rest der einen Flüssigkeit übrigbleibt, dass die beiden Resinanteile verschiedene Gewichte hätten und es stimmt auch, wenn man Resin kauft und in die Braunglasflaschen umfüllt, damit das Resin etwas länger hält, dann sind die Flaschen verschieden hoch voll. Man müsste also das Resin abwiegen. Bei meinen kleinen Mengen fast unmöglich. Also mach ich es Mengenmäßig.

Der Guss, das Einfüllen

Die beiden Resinanteile in einen Becher geben und mit einem Stäbchen gut umrühren.
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Ich nehme zum Einfüllen des Resines eine Einwegspritze ohne Nadel.
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Hier verwende ich heute Einweghandschuhe, da das Resin reizend ist! Es kann die Haut sensibilisieren!

Das Resin mit der Spritze in die Form geben.
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Dabei mit der Spritze das Resin auch in die Vertiefungen hineindrücken.
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Wenn soweit alles voll ist ...
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... auch die Stellen im Deckel, von denen man weiß, dass dort Luftblasen stehen bleiben können, mit Resin füllen. Hilft zwar nicht, die Luftblase komplett zu vermeiden, aber es minimiert sie etwas (hier fehlt ein Steiger).
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Dann den Deckel drauflegen. Die Form mit dem Finger zusammendrücken, bis in einem Steiger das Resin hochkommt. Dort ist die Luft draußen.
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Hier die Spitze einstechen und Resin durch den Steiger in die vorgefüllte Form drücken ...
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... bis es an den anderen Steigern auch hochkommt. Dabei den Druck auf die Form langsam nachlassen.
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Unter Umständen den Steiger wechseln und an anderer Stelle das Eindrücken des Resins fortsetzen.
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Nun ist die Form ist voll. Die Trichter sind alle mit etwas Resin gefüllt. Manchmal ist es Sinnvoll, die Trichter nicht zu befüllen, nämlich dann, wenn der Steiger auf einem feinen Teil endet. Macht man den Deckel nach dem Aushärten dann ab, bricht nicht der Steiger ab, sonder nimmt einen Teil des feinen Gußteiles mit. Aber das ist alles Teil des Kennenlernens der Form.

Der Guß, das Ausformen

Die Steiger sind schon abgebrochen und liegen daneben. Meine Abgüsse haben alle eine dünne Fischhaut. Aber gerade bei empfindlichen Teilen hat sie ihre Vorteile.
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Das Teil habe ich nun ganz Vorsichtig aus der Form gelöst.
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Und wenn man sich etwas Zeit nimmt, schaut das Teil schon richtig gut aus (ein bisschen muss noch nachgearbeitet werden). Luftblasen mache ich (Falls überhaupt möglich) an einer später nicht mehr einsehbaren stelle auf und fülle sie beim nächsten Guß mit dem Restresin aus dem Becher. Das ist dann schon etwas sulzig, aber es eignet sich hervorrragend zum Verschließen von solchen Fehlern.
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Hier mal alle Teile, wie sie aus der Form kommen. Sie müssen nun gesäubert werden.
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Ein paar Teile etwas größer, wie das Fahrerhaus ...
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... die Pritsche ...
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... oder die Kleinteile.
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Nochmal alle Teile des Unimog im gesäuberten Zustand.
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Die gesäuberte Pritsche. Auch so feine Bordwände wie die vom DB 1017A sind kein Problem. Sie benötigen nur das nötige Feingefühl beim Ausformen und richtig gesetzte Steiger.
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Auf diesem Bild seht Ihr noch, wie viele Formen ich aus 1000g Silikon herausgebracht habe. Es sind 910g netto geworden. Der Rest ist Abfall gewesen, denn es bleibt immer ein Rest im Mixbecher.
Links Formen für Räder vom 2 to, 5 to DB 1017A, 5 to gl, Iltis,
dann Laufwerke für M109 und M113,
vier Kanisterpaletten, Drehringlafette mit MG für M113 und M109 und MGs mit und ohne Schulterstütze für Lkw und Kampfpanzerdrehringlafetten.
Zum Schluss ganz rechts der Unimog. Hier fehlt die Form der Plane, welche ich vorher schon gemacht hatte.
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So, das war mein Beitrag zum Thema Abformen mit Resin. Ich hoffe, dem einen oder anderen die Angst zu diesem Thema genommen zu haben. Ich hatte ja auch keine, als ich anfing, mir Gedanken zu machen, wie ich das mit dem Abgießen auf die Reihe bringe. Im Internet ist nicht allzuviel zu finden. Also erdachte ich mir die eine oder andere Lösung. Und wer wagt gewinnt. Bei mir hats gut geklappt, obwohl ich vorher keine Ahnung hatte.
Letztendlich war das auch der Grund, warum ich diesen Beitrag vor ein paar Jahren ins Internet stellte.

Zum Schluss noch ein paar Impressionen aus Resin:

Der Unimog, mal kurz zusammengesteckt. Den Bügel, auf dem das Tarnnetz liegt und habe ich später noch der Realität angepasst. Das MG auf der Ringlafette ist schon angepasst.
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Mein erstes Projekt, ein zurückgebauter Jaguar.
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Die Form der Leopard Laufwerke.
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Grüße vom unteren Lech, der Thomas

KurtHofmeyer
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Resin

Beitrag von KurtHofmeyer » So 4. Mär 2012, 12:41

Hallo,

ich verwende Resin der Firma Breddermann (über Google leicht zu finden), und zwar mit 4min und 12min Topfzeit. Bei 12min kann man das Resin in aller Ruhe einfüllen und in die Hohlräume drücken, der Nachteil ist die extrem lange Aushärtezeit von 3-5 Stunden, bis das Gußstück entformt werden kann. Bis zur Weiterverarbeitung sollte man es noch weitere 24 Stunden ruhen lassen.

Eine weitere Firma ist Bacuplast

http://www.bacuplast.de/

Deren Erzeugnisse kenne ich allerdings nicht. Im Angebot ist hier auch ein elastisch aushärtendes Resin, wahrscheinlich für Gummireifen geeignet.

Noch eine Anmerkung: Seit einiger Zeit ist die Härterkomponente als gesundheitsschädlich mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung klassifiziert. So geben manche Lieferanten Polyurethangießmassen nicht mehr an Privatpersonen ab.

Gruß

Kurt

KurtHofmeyer
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Räder mit zentrischem Achsloch gießen

Beitrag von KurtHofmeyer » So 4. Mär 2012, 12:42

Hallo,

Zum Abformen versehe ich das abzugießende Rad mit einer kurzen Stahlachse (Abb. 2) und setze es auf einen Kneteblock (Abb. 3).

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Dieser Block ist der Kern der Innenform. Die Trennlinie zwischen den Formteilen liegt damit an der Rückseite des Rades, wo die unvermeidlichen "Schwimmhäute" am wenigsten stören; Abb. 4 zeigt die fertigen Formteile.

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Vor jedem Resinguss werden dann zunächst die Achsstummel in die Innenform eingesetzt ( siehe ebenfalls Abb. 4). Nach dem Entformen (Abb. 5)

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muss nur noch der Achsstummel aus dem Gussstück herausgezogen werden – und man hat ein Rad mit genau zentrischem Achsloch (Abb. 6).

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Gruß

Kurt

Tilman Schröder
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Achsen im Fahrgestell?

Beitrag von Tilman Schröder » So 4. Mär 2012, 12:44

Hallo Kurt,

Klasse Konzept!

Vor vielen Jahren habe ich auf der Ausstellung in Kostheim von Dir mal Fahrerhaus und Chassis eines Dodge W200 DoKa (auf Basis ROCO M880) bekommen.
Ich habe das Modell vor langer Zeit gebaut und meine mich zu erinnern, daß Du ins Fahrgestell Messingröhrchen eingebaut hast, um die Achsführung optimal einzustellen. Die Röhrchen waren, glaube ich, mit weicher Kente gefüllt, um das Einfließen von Resin zu verhindern.
Kannst Du dazu vielleicht auch noch Details verraten?
Wäre super!

Tilman Schroeder

KurtHofmeyer
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Achsen im Fahrgestell

Beitrag von KurtHofmeyer » So 4. Mär 2012, 12:50

Hallo Tilman, ja ich habe schon Messingsröhrchen zur Darstellung des Achskörpers in ein Fahrgestell eingegossen.

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Obiges Foto zeigt unten das von Dir erwähnte Fahrgestell und oben ein Urmodell mit Messingröhrchen als Achskörper.
Das Dodgefahrgestell lässt die Vorgehensweise nicht so deutlich werden, weil das Rocomodell bereits von Hause aus Achskörper hat, die der Dicke eines 2mm starken Röhrchens entsprechen. Diese Bauart ließ sich leicht realisieren, weil beide Pickups hier durchgehende Bodenplatten haben.

Das Gießen ist allerdings aufwendig, da zwei Arbeitsgänge benötigt werden; im ersten wird das genau abgelängte Röhrchen durch ein wenig Resin in der Form fixiert und im zweiten nach Abbinden erst der eigentliche Guss ausgeführt. Sonst besteht die Gefahr, dass das Röhrchen beim Zusammenfügen von Innenform und Außenform nach unten in die Außenform fällt. Das Verfahren ist auch nur bei zweiteiligen Formen sinnvoll machbar.

Gruß

Kurt

Tilman Schröder
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Rüttler zum Gießen

Beitrag von Tilman Schröder » So 4. Mär 2012, 12:50

Mal eine Idee zum Gießen von mir:

In der Zahntechnik wird zum Ausgießen von Abformungen mit Gips ein Rüttler verwendet.
Durch die Vibrationen wird das eingegossen Material fließfähiger und Luftblasen lösen sich und steigen an die Oberfläche.
Wäre das nicht auch für den Resinguß und auch für den Formenbau eine sinnvolle Lösung?
Bei EBay fangen die Angebote bei rund 50€ für einfache Geräte an:

http://www.ebay.de/itm/Gipsruttler-Rutt ... 2c6228b060

Tilman Schroeder

Walter Müller
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Re: Wie mache ich mir mein Modell selbst? Der Resinguss

Beitrag von Walter Müller » Sa 31. Mär 2012, 19:43

Resin Tipp für die eigene Verarbeitung.

Hallo Kurt,

ein sehr schöner Beitrag zum selbergießen. Habe noch einen kleinen Tipp zur Verbesserung in der Resinverarbeitung.

Wenn man Resin, als PU Material (Polyurethan) verarbeitet, sollte man den Härter „Luftdicht“ verschließen und die Öffnung total säubern. Härter zieht Wasser und härtet aus. Also den Schaubverschluss immer gut reinigen.

Sollte mal der Härter Wasser gezogen haben, keine Sorge. Mit einem Lack Sieb (Bauhaus) oder einem Damenseidenstrumpf kann man die anhaftenden Wassermoleküle sieben. Macht man das nicht, werden kleine Bereiche im späteren Guss nicht hart (es dringt ständig der Härte heraus). Mit dem Harz kann man genauso verfahren, um hier auch auf Nummer sicher zu gehen.

Resin-Mischung:

Damit die Fließeigenschaft von Resin besser wird (das Resin wird noch dünnflüssiger wie bisher) sollten die Silikonformen im Ofen auf 60 - 70 Grad erwärmt werden. Das hat den Vorteil, dass sehr feine Teile schneller aushärten, weil man die Reaktion erhöht.

Noch eines zum Schluss. Immer Schutzbrille tragen und aufpassen, dass kein Rein ins Auge oder Wunden kommt. Dann macht man im Zimmer keinen Indianertanz.

Sollten weitere Frage zum Thema Resin sein, immer fragen.

Viele Grüße
Walter

PS: Ein Rüttler, der nur für Gips eingesetzt wird, bringt bei Resin nicht so viel. Vakuum ist da viel besser. Auch hier, wenn man sehr gute Erfolge haben möchte, müssen die Silikonformen auf 40 – 70 Grad und das Resin auf 25 – 30 Grad erwärmt werden.

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